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HIGH SPEED MODELLE 375 S * 375 L * 375/4 * 375 C * BERLINETTA * PALM BEACH
Grundsätzlich sollte sich jeder potentielle Käufer eines dieser exclusiven Modelle über das geringe Angebot und die teilweise schwierige Ersatzteilbeschaffung im Klaren sein. Ein günstiges Klassiker-Vergnügen wird er schon allein aufgrund des 20 Liter überschreitenden Verbrauches nicht erwarten dürfen. Weiterhin existieren Monteverdi-Modelle in keinen seriösen Klassiker-Preislisten auf dem deutschen Markt, die geringe Stückzahl macht eine Notierung diffizil. Folgende Hinweise basieren auf meinen Erfahrungen, Hinweise zu Neuigkeiten auf dem Ersatzteilmarkt oder bei Restaurierungstipps nehme ich gerne entgegen.
KAROSSERIE & INTERIEUR
Das äusserst massiv aus drei Millimeter starken Vierkantrohrprofilen gefertigte Chassis überzeugt auch heute noch durch Rostresistenz und Stabilität. Schäden sind auf grobe Fahrzeugmisshandlung zurückzuführen. Dies gilt selbst für das grazile und seltene Cabrio 375 C. Die frühen Frua-Designs ebenso wie die späteren Fissore-Karosserien wurden, trotz italienischer Pressung, befriedigend gegen Durchrostungen geschützt, wenn sie nicht nach Unfällen dilettantisch repariert wurden. Meist trifft man auf nachträgliche Hohlraumkonservierung, ansonsten ist Vorsicht geboten, da insbesondere Schweller, Radhäuser und Radläufe im Laufe der Zeit durchaus zu kostspieligen Reparaturen führen können. Fronthaube, Türen und Heckklappe sind nur selten korrosionsbetroffen, es empfiehlt sich jedoch insbesondere bei den seltenen Limousinen 375/4 ein Blick in die Hohlräume. Gelegentlich wird von Spannungsrissen in Fronthauben berichtet. Unsaubere Spaltmasse deuten mit Sicherheit auf unsachgemässe Unfallinstandsetzungsmassnahmen hin, da die Auslieferungsqualität der Fahrzeuge als stets tadellos gerühmt wurde. Im Innenraum treten kaum typische Mängel auf, Vorbesitzer haben die Materialien jedoch bisweilen mehrfach ersetzt, besonders die in frühen Modellen verwendeten Holzapplikationen und die stilvollen Lederfauteuils. Hier ist eine Frage nach der Originalität angebracht. Wie ein Fahrzeug fabrikneu aussah, lässt sich oft leider nicht mehr nachvollziehen, da es sich ausschliesslich um individuelle Einzelanfertigungen handelte.
TECHNIK
Die Triebwerke, ausschliesslich modifizierte Chrysler-Big Blocks, welche in 2 Versionen verbaut wurden, gelten als langlebig und zuverlässig. Eine gründliche Revision ist erfahrungsgemäss erst nach 200000km nötig. Gleiches gilt für die verwendeten Automatik und Viergang-Schaltgetriebe. Die seltene 7 Liter grosse Hemi-Version ist besonders problematisch im Hinblick auf den einzigen antriebsmässigen Problembereich: Unzureichende Kühlung ! Die in frühen Jahren wie auch heute noch sehr schnell bewegten High Speed Modelle neigen zur Überhitzung, weshalb man ab Herbst 1971 einen elektrischen Kühlerventilator sowie einen vergrösserten Kühler verbaute. Es ist dringend zu prüfen, ob frühere Exemplare damit nachgerüstet wurden, was meist geschah. Abgesehen vom erwähnten 20-30 Liter betragenden Durst erfreut man sich heute noch am Klang des 7,2 Liter-V8 und dem immer noch enormen Drehmoment in allen Lagen, welches gelegentlich dem Hinterachsdifferential von Salisbury teure Reparaturen beschert. Mahlgeräusche weisen auf Defekte hin. Ebenfalls zum Modelljahr 1972 kam zwar eine verstärktes Differential zum Einsatz, das Problem war jedoch nicht gänzlich behoben. Die restlichen Technik-Komponenten sind von den Bremsen über die ZF-Servolenkung (in fast allen Fahrzeugen) bis zu den Radaufhängungen von typischen Mängeln frei, lediglich Standschäden an den Bremsen (Festrosten) treten bei ungepflegten Exemplaren auf. Durch die individuelle Anfertigung nach Kundenwunsch und den Perfektionismus von Peter Monteverdi flossen laufend Verbesserungen in die Fahrzeug-Technik ein, weshalb nicht abschliessend über den Originalzustand eines Fahrzeuges befunden werden kann, wenn keine vollständige Dokumentation vorliegt. Ein besonderes Augenmerk gilt es auf die Elektrik zu richten, viele Komfort-Features (Klimaanlage, Fensterheber, Zentralverriegelung) neigen im Alter zu Aussetzern, eine Reparatur ist wegen des in jedem Wagen unterschiedlichen Kabelbaums oft kostspielig. Im Vergleich zu den italienischen GTs und Luxus-Limousinen der 60er und 70er Jahre zeichnen sich die Monteverdi-Modelle jedoch auch heute noch durch zuverlässige, detailperfekte technische Lösungen aus. In den Limousinen 375/4 fanden sich sehr oft luxuriöse Ausstattungsmerkmale wie TV-Geräte (Sony) und elektrische Trennscheiben, ganz nach Kundenwunsch, eine Funktionsprüfung ist auch hier geboten. In den 80er Jahren gelangten viele High Speed-Modelle jedoch in Hände von Besitzern, die nicht selten den Charakter des Autos lediglich nach der PS-Zahl beurteilten (375/390 SAE-PS sind auch heute noch ein Wort) und der Pflege keine Aufmerksamkeit schenkten; nachgerüstete Motoren und Fahrwerke mindern den Wert daher beträchtlich.
PREISE
Wie bereits erwähnt finden sich (noch) keine Preisnotierungen für High Speed-Modelle. Die Beobachtung des Marktes; nur selten tauchen Monteverdi in Inseraten auf; über Jahre hinweg, lässt jedoch folgende Einschatzung zu: High Speed 375 S (Frua) : Zustand 1- ca. 100000 €, Zustand 3 ca. 65000 €, Zustand 4- ca. 25000 € High Speed 375 L (Fissore): Zustand 1- ca. 80000 €, Zustand 3 ca. 55000 €, Zustand 4- ca. 20000 € Aufschlag für Hemi-Versionen 10 %, für Limousinen je nach Ausstattung 15-20 % (auf 375 L (Fissore)) Viele Fahrzeuge wechseln jedoch ihren Besitzer ohne in Annoncen aufzutauchen, beziehungsweise finden sich in nachfrageärmeren Staaten häufiger günstige Offerten als in der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und USA.
ERSATZTEILE
Ersatzteile kauft man auch bei einem High Speed direkt beim Hersteller des guten Stücks. Der erste Weg führt daher zur Automobile Monteverdi AG. Hier sind Qualität und Passgenauigkeit absolut sichergestellt. Der Club und dessen Mitglieder helfen gerne bei Fragen diesbezüglich (siehe Clubseite www.tobiasullrich.de/monteverdi/club/). Unter Tel. +41/61/4214545 Fax +41/61/4214524 erreichen Sie Automobile Monteverdi AG zwecks Ersatzteilanfragen. Insbesondere bei Karosserie-Restaurationen und Sattler-Arbeiten hat Carrosserie-Wenger in Basel einen sehr guten Ruf. (Kontakt Ruedi Wenger, Monteverdi Club Präsident, www.carrosserie-wenger.ch) Viele Mechanikkomponenten stammen von Chrysler und namhaften Zulieferern, was zum Teil günstige Preise ermöglicht.
EMPFEHLUNG
Ein gut gepflegter High Speed 375 L späten Baujahres (ab 1972) in alltagstauglichem Zustand (2-3) lässt sich mit Geduld zu akzeptablem Preis erwerben. Für alle anderen Modelle muss man viel Zeit bei der Suche mitbringen, die Exclusivität ist jedoch heute noch absolut garantiert. Eine lückenlose Historie ist unverzichtbar, denn einen High Speed kauft man nur einmal im Leben (und gibt ihn seltenst wieder her). Aktuelle Verkaufsofferten finden Sie im Monteverdi Market. (tu)
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